Laowa 180mm / f4.5 AF Macro 1.5:1

Größenvergleich: links Laowa 100mm/f2.8 2:1 Macro; rechts Laowa 180mm/f4.5 1,5:1 AF Macro
Größenvergleich: links Laowa 100mm/f2.8 2:1 Macro; rechts Laowa 180mm/f4.5 1,5:1 AF Macro

Das Laowa 180mm/f4.5 ist das erste Makroobjektiv von Laowa mit Autofokus, und das Objektiv kann 1,5-fach vergrößern. Das können nicht viele Objektive für Nikon Z, und in der Kombination mit Autofokus ist es meines Wissens sogar das einzige.

Die Berichte im Internet zeigten dann aber schnell, dass leider der Autofokus nur ab 1,5m Entfernung, also genau nicht im Makrobereich funktioniert. Schade, dachte ich, denn damit fehlt die Möglichkeit für das Makro-Fokus-Bracketing.

Mit einer neuen Firmware wird allerdings die AF-Funktion für den Makrobereich hinzugefügt – und das erweitert die Funktionalität und damit seinen Wert enorm!

 

Zum Vergleich: Das 100mm/f2.8 Laowa wiegt 700g und ist größer als das 180mm/f4.5, das nur 540g wiegt (ohne die Gegenlichtblende).

Das 100mm hat keinen AF, kann dafür aber zweifache Vergrößerung.

 

Die große Schwäche des älteren 100mm Objektivs ist eindeutig der viel zu kurze Drehbereich von nur ca. 90° für den Fokus. Mit dem manuellen Fokus des 180mm lässt sich wesentlich einfacher und genauer arbeiten: der beträgt ca. 270°!

Größenvergleich: links Nikkor 180mm/f2.8 mit FTZ-Adapter; rechts Laowa 180mm/f4.5 1,5:1 AF Macro
Größenvergleich: links Nikkor 180mm/f2.8 mit FTZ-Adapter; rechts Laowa 180mm/f4.5 1,5:1 AF Macro

Das Objektiv ist klein und leicht: Es übertrifft sogar das legendäre 180mm/f2.8 Nikkor, das wegen der höheren Lichtstärke und in Kombination mit dem FTZ-Adapter um einiges größer ist. Kleiner und leichter, anderthalb Blendenstufen weniger Licht, aber dafür Makro! Das ist grundsätzlich eine gute Sache, finde ich. Selbst mit Blende 4.5 kann ich bei 180mm freistellen.

 

Die Farbe ist Geschmacksache: ich mag das normale schwarz lieber.

 

Zum Vergleich: das Nikkor 180mm/f2.8 wiegt 900g (inklusive FTZ-Adapter), hat keinen AF (am Z-Mount) und ist kein Makroobjektiv.


Bedienung und Bildqualität

Schärfeverlauf bei Blende 8
Schärfeverlauf bei Blende 8
Aufnahme mit 180mm f5.6
Aufnahme mit 180mm f5.6

Der Autofokus ist nicht besonders schnell, funktioniert in Kombination mit meiner Nikon Z6 für den „Normalbereich“ aber völlig ausreichend gut – immerhin so gut, dass ich ihn standardmäßig verwende. Und das tue ich nur, wenn ich damit auch scharfe Bilder erhalte, die dort scharf sind, wo ich es möchte.

 

Was leider nicht so gut funktioniert, ist die „Vibration reduction“. Das Objektiv besitzt selber keinerlei Bildstabilisierung, und die in der Z6 eingebaute funktioniert offensichtlich nicht besonders gut mit dieser Brennweite. Man muss schon aufpassen, unverwackelte Bilder zu erhalten, wenn man andere Objektive gewohnt ist.

Panaorama aus 6 Hochkantbildern (freihand)
Panaorama aus 6 Hochkantbildern (freihand)

Die Bedienung ist einmalig – und das kann man wörtlich nehmen. Der Fokusring für den manuellen Fokus steuert nicht etwa den Fokusmotor, sondern greift tatsächlich mechanisch auf den Fokus zu. Entweder der Fokusring ist am Unendlich-Endanschlag: das schaltet automatisch den AF ein. Oder ich beginne zu drehen, und damit wird automatisch der AF deaktiviert: ich übernehme echt mechanisch die Kontrolle. Dieses fast gleichzeitige Verwenden von AF und „echtem manuellem“ Fokus funktioniert instinktiv und so gut, dass man sich fragt: warum ist da vorher noch nie jemand drauf gekommen?

 

Der Nachteil – wie oben erwähnt – ist die Naheinstellgrenze mit dem AF. Da ist bei ca. 1,5m Schluss. Im Makrobereich muss ich also den manuellen Fokus bemühen. Das mache ich allerdings normalerweise sowieso, weil prinzipiell der AF im Nahbereich seinen Geschwindigkeitsvorteil und damit seine Bedeutung verliert.

 

Die Bildqualität im "Normalbereich" ist ausreichend gut. Im direkten Vergleich ist das 180mm Laowa z.B. etwas besser als das alte 180mm Nikkor, aber nicht so gut wie das Nikkor 70-200/f2.8. Die Chromatische Abberation lässt sich per Knopfdruck in der Nachbearbeitung beseitigen, aber die Bildschärfe ist nur gut, nicht excellent. Seine Stärken hat dieses Objektiv sicherlich im Makrobereich.


Neue Firmware: Makro-AF

Freihandstack aus 8 Einzelbildern, manuell scharfgestellt
Freihandstack aus 8 Einzelbildern, manuell scharfgestellt

Es bleibt also die Frage: wie kann ich das Fokus-Bracketing durchführen?

Man braucht dafür die neue Firmware, die man erst einmal finden muss. Laowa hat sie ein wenig versteckt. Das Installieren ist dann allerdings sehr einfach: das entsprechende Video von Laowa gibt einem Sicherheit, nichts falsch zu machen.

 

Mit dieser neuen Firmware kann ich dann im Makrobereich, auf den ich manuell scharf gestellt habe, die Zusatztaste am Objektiv ein wenig länger drücken. Dann springt die Kamera in den AF-Modus (AFS, um genau zu sein, damit das Bracketing funktioniert). Jetzt funktioniert der AF in einem eingeschränkten Fokusbereich auch bis zu 1,5-facher Vergrößerung.

Krokusblüte aus 102 Einzelbildern (Fokusbracketing)
Krokusblüte aus 102 Einzelbildern (Fokusbracketing)

Interessant ist, dass der AF sogar ein wenig über die mechanische Naheinstellgrenze hinausgeht. Und erst mit diesem AF-Extraschritt komme ich auf die wirkliche anderthalbfache Vergrößerung.

 

Es ist offensichtlich so, dass der AF-Motor für die Makrofotografie einen begrenzten Stellbereich hat, mit dem er arbeiten kann. Man muss also leider aufpassen, dass man diesen Bereich richtig nutzt.

 

Beispiel: ich fokussiere manuell und mit AF so auf den vorderen Bereich eine Motivs, dass ich das Fokus-Bracketing starten möchte. Wenn ich allerdings mit der manuellen Voreinstellung den AF-Bereich so erwischt habe, dass der AF-Motor an seinem „hinteren“ Anschlag ist, dann macht das Bracketing genau ein Bild und nicht mehr.

Ich muss dann erst manuell auf den hinteren Bereich scharfstellen, dann den AF auslösen, so dass der AF auf den vorderen Bereich fährt. Erst dann kann der AF-Motor für das Stacking den Bereich durchfahren, den es benötigt.

Man kann u.U. auch Probleme bekommen, wenn man über einen Bereich stacken möchte, der größer ist als der AF-Motorbereich. Dann muss man ggf. zweimal ansetzen. Das macht es umständlich und fehlerhaft, weil im Übergangsbereich der beiden Stacks entweder Bilder fehlen oder doppelt vorhanden sind.

 

Beispiel: Ich stelle 135 Bilder in der Kamera ein, aber nach 93 Bildern ist Schluss, weil der AF-Motorbereich am Ende ist.


Abstand zwischen Frontlinse und Motiv

Objektiv

Laowa 100mm/f2.8

Nikkor 105mm/f2.8 Z-Mount

Laowa 180mm/4.5 

Entfernung in cm bei 1:1 (ca.)

9

12,5

22

Entfernung in cm bei 1,5:1 (ca.)

7,5

-

16


Der Vergleich zeigt: das 180mm besitzt einen wesentlich größeren Abstand zwischen der Frontlinse und dem Motiv. Bei dem vergleichbaren Abbildungsmaßstab 1:1 ist dieser Abstand fast doppelt so groß wie beim Nikkor 105mm.


Fazit

Das Laowa 180mm/f4.5 ist klein und leicht, und es bietet mit der 1,5-fachen Vergrößerung und dem Autofokus Funktionen, die sonst kein anderes Objektiv für Nikon Z bietet. Es macht Spaß, damit zu fotografieren, und ich freue mich bereits auf den Sommer, wenn ich damit auf "Insektenjagd" gehen kann!


Beispielbilder mit dem Laowa 180mm/f4.5